Geht das: Entspannt gesund leben?


Ich hatte eine Krise! Und zwar eine Ausgewachsene! Doch bevor ich anfange zu schreiben gebe ich schnell Entwarnung: Ich habe wieder rausgefunden und einiges über mich gelernt. Es war allerdings ganz schön aufregend - für meinen Geschmack. Aber erstmal der Reihe nach. Es fing damit an, dass ich mich immer mehr anstrengte. Meine Tage waren ausgefüllt davon gesund zu essen, meine Yogachallenge weiter zu verfolgen, mich zu entgiften, auf mein Stresslevel zu achten und natürlich nebenbei noch den Alltag mit meiner Familie und meine Job zu schmeißen. Man kann sagen: "Silja bemühte sich redlich im Rahmen ihrer Fähigkeiten den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden." Wer sich mit Zeugnissen auskennt weiß, dass das ein vernichtendes Urteil ist...also, was ist passiert?

  1. Die Yoga-Challange von Karmi Bedeutet jeden Tag Yoga - für 40 Tage. Was kein Problem schien, da ich ja sowieso immer morgens schon auf der Matte rumhüpfe, mich strecke, dehne und atme. Aber irgendwie ist es für mich was anderes, wenn ich bei einer Challenge mitmache. Ich verliere.... die Lust. Yoga ist toll, ich liebe es und variiere morgens immer ein wenig und es fällt mir immer leichter rauszufinden, was mir gerade gut tut. Aber nun 40 Tage selbstverordnet zu müssen, nee, das ist nix für mich. Ich überlege, ob ich wirklich will (ein Gedanke, der sonst so gut wie nie aufkommt) und es ist fast wie früher in der Schule. Da gipfelte die Verweigerung irgendwann im Stadt-Land-Fluss-Spiel in der letzten Reihe. Seufz. Die Morgende waren in den letzten Tagen nun also nicht mehr so leicht - was meinen Start in den Tag verändert hat. Und mir zu denken gab: Wenn mir Autonomie und Dinge, um der Dinge willen zu tun, so wichtig sind, dann muss ich neu sortieren. An vielen Stellen bin ich fremdbestimmt. An vielen Stellen lässt mich der Wettbewerb mit anderen schneller rennen als ich mag - und manchmal tatsächlich die Lust verlieren. Heute freue ich mich über die Erkenntnis: Die Lust verlieren heißt nicht, dass die Sache / das Thema nicht mehr passt. Vielleicht passt mein Blickwinkel nicht (mehr)? Oder der Rahmen, den ich mir setze? Schöne neue Ideen kamen da plötzlich auf.
  2. Diese ganzen Gesund-Essen-Bücher. Ich habs gelesen! Das Buch von Mimi Kirk, das Buch von Kris Carr (siehe auch mein kurzes Fazit zum Letzeren hier ) - vor einiger Zeit auch das Buch von Alicia Silverstone. Und ich sage: Es war einfach ein bisschen viel! Anfangs war ich noch voller gutem Willen, relaxed, entspannt halt - und dann kam er über mich: Der Eifer! Und mit ihm (Hand in Hand sozusagen) die Anstrengung. Morgens Smoothies machen - gerne! Schmeckt mittlerweile gut und tut mir auch gut! Aber nun bei jedem Stück Brot (ich esse sehr gern Brot) zu überlegen, was das wohl mit meiner Rohkost/ Gemüsebilanz des Tages macht? Schlechtes Gewissen bei Pommes zu haben? Damit (mit dem schlechten Gewissen) kann ich einfach nicht aufhören. Es ist schrecklich. Zwischendurch gab es ja sogar einen Versuch einen Saft/Smoothie-Tag zu machen. Was ich bis dato immer von mir gewiesen hatte (kenne mich doch sehr gut). Nun ja, der Tag hielt nicht lange, Mittags um drei habe ich wieder gegessen. Die Krise ist, dass das gesunde Essen irgendwie anfängt zu viel Raum einzunehmen. Dass ich meine sehr entspannte Haltung zum Essen anscheinend verliere, vor lauter so oder so - seufz. Die Ernährungskrise kam zur Yogakrise - und das fühlte sich gar nicht gut an! Mit etwas Abstand bin ich nun weiter und zurück auf alten Pfaden: Gesund essen, ja! Vegan essen? Ja! Mich kasteien? Nein! Ich mag nicht und muss mir dringend merken: Alle Ratgeber sind sicher gut - aber doch nur eine Anregung. Ich  neige dazu, so etwas zu ernst zu nehmen. Mich reinzuhängen. Es gut machen zu wollen. Ich verordne mir daher: Ab jetzt nicht mehr so viele Ratgeber. Ab und zu ist es toll sich Inspiration von außen zu holen. Ich muss darauf achten die gleiche Zeit zu investieren, um in mich zu horchen. Sonst jage ich hinterher - und das ist wirklich unentspannt. 
  3. Diese neue Darmreinigung. Angesteckt von Kristins wundervoller Lobhudelei auf die Amazonas Darmreinigung habe ich sie gleich bestellt. Ich bin (hier ein weiterer Beweis) etwas anfällig für guten Rat. Nun (zeitliches Timing ist ein weiteres Lernfeld scheint mir heute in der Retrospektive) zur Yoga -und Ernährungskrise habe ich also angefangen dieses Pulver morgens und abends einzunehmen. Es schmeckt ganz schön grausam. Und, wie das so ist bei Reinigungen und Entgiftungen, es ging mir jetzt nicht sofort super. Im Gegenteil. Kopfweh (besonders wenn ich mir mal ein Glas Wein gegönnt habe), kleine Pickelchen (hab ich sonst nie) und merkwürdige Gefühle im unteren Bauch haben mich noch weiter verunsichert. Und tun es noch. Es ist aber etwas besser geworden und natürlich bin ich fest entschlossen das zu Ende zu führen. Die Krise beflügelt hat das gute Timing natürlich schon. Merke also für das nächste Mal: Entgiftungen dann anfangen, wenn man guter Dinge ist. Entgiftung strengt an (jedenfalls mich) und gehört darum nicht in Zeiten, in denen die Beine sowieso schon etwas wackelig sind.
  4. Der irrsinnige Alltag als berufstätige Mutter. Auch wenn ich jetzt ein Klischee bediene - es muss einfach raus: Berufstätige Mutter zu sein ist anstrengend. Sehr anstrengend. Sehr sehr anstrengend. Und wenn Mutter dann noch den (eigenen) Anspruch hat eine entspannte, glückliche Mutter zu sein, wird das in Phasen, die 1., 2., und 3. enthalten, noch anstrengender! Autsch. Ich habe - zwischen Yoga (nicht so erholsam wie sonst), Smoothies herstellen (parallel zum Frühstück für uns fünf) und  Job (auch hier gab es ein paar unerwartete Momente, die mich verunsichert haben) - irgendwann die Kraft verloren. Vergessen auf mich zu achten und nur noch funktioniert. Bis ich irgendwann sehr weinen musste - in einem Moment, der (wie das dann so ist) gar nicht so schlimm war. Aber es musste halt raus. Erst hab ich mich erschreckt. Und fast mit mir geschimpft (meine innere Cheerleaderin hatte unerlaubt die ganze Woche Urlaub genommen). Und dann habe ich nachgedacht - und resümiert. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich in solchen Zeiten mehr auf mich achten muss. Mehr meditieren, auch tagsüber. Mehr "nein" sagen, besonders zu meinen Ansprüchen. 
Ich habe also viel gelernt in der kleinen Krise, die ich hatte. Mal schauen, wie das nun wieder mit der Umsetzung klappt. Und schwupps! hab ich Lust hierzu in einem kleinen Ratgeber zu blättern. Mache ich aber nicht. So. Gute Vorsätze sollten schließlich nicht noch am gleichen Tag gebrochen werden. Vielleicht schaue ich morgen mal kurz.....

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