Ich weiß nicht, wie lange ich nun schon genau Yoga mache. Ist ja auch egal. Seit letztem Jahr Februar jedenfalls bemühe ich mich um eine tägliche Praxis. Februar deshalb, denn das Startsignal für mich waren zwei wunderschöne Tagesworkshops zur Einführung in die Ashtanga Yoga Praxis bei Beweggrund Yoga, die einfach toll waren. Das lag einmal an den netten Lehrern aber auch an dem Prinzip des Ashtanga: die Übungen sind komplex aber doch irgendwie simpel. Es ist sehr pures Yoga finde ich. Und die tägliche Praxis besteht aus den gleichen Übungen, was praktisch ist, wenn man wie ich nicht viel in Studios ist. (Letzteres wird sich bald ändern, aber dazu später mehr). Jedenfalls wurde aus meiner bis dahin unregelmäßigen Praxis eine tägliche - und das hatte für mich viele Folgen. Hier meine drei Lieblinge unter dem Titel: Was Yoga kann (und zwar egal welche Stilrichtung man übt, ich mische nämlich mittlerweile wild):
- Yoga macht beweglich: Na klar, denkt ihr jetzt vielleicht. Diese Yogaleute biegen ja auch jeden Tag ihr Bein schräg hinters Ohr oder machen sonst irgendwie Gummimensch- anmutenden Kram, klar macht das beweglich. Das stimmt. Na ja, bis auf den Gummimensch-Kram (so sieht es bei mir jedenfalls nicht aus) und mein Bein ist wenig hinter meinem Ohr. Auf jeden Fall aber wird man körperlich beweglicher und das ist schön, denn es macht mich geschmeidiger. Ich kann mich besser bewegen und habe ein besseres Körpergefühl bekommen. Aber ich meine was anderes. Ich meine geistige Beweglichkeit. Im Yoga muss ich morgens schon durch die ein oder andere anstrengendere Stellung "durchatmen" - "die Leichtigkeit in der Anstrengung finden" wie Tara Stiles so schön sagt. Das stärkt mich für das was der Tag mir bringt. Es (be-)stärkt mich darin bei mir zu sein in anstrengenden, stressigen Momenten. Das hilft auch im Alltag. Atmen, entspannen und hören / sehen / fühlen was da ist. So bleibt mehr Hirn für die Entwicklung von Lösungen über, weil ich nicht mehr immer in der Bewertung lande und mich dann aufrege. Neurowissenschaftlich würde man sagen: Mein emotionales Gehirn ist vielleicht nicht mehr ganz so in action wie früher und daher kann der Verstand besser arbeiten. Gar nicht so schlecht also.
- Yoga macht intuitiv und zwar stetig. Anfangs war ich zu ehrgeizig, die Quittung in Form von Zerrungen oder anderen kleinen Blessuren inklusive. Dann habe ich begonnen nicht nur körperlich zu üben sondern mindestens ein Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit der Meditation zu widmen. Ich habe rumprobiert: Vorher oder nachher meditiert. Für mich passt vorher gut. Ich sitze, ich atme, ich denke nicht. Also meistens. Wenn ich dann doch merke, dass ich schon wieder überlege, was ich gleich machen werde / anziehen werde/ heute ansteht - dann atme ich wieder. Ich versuche nicht mit mir zu schimpfen über die kleinen Ausflüge, die mein Bewusstsein da immer mal macht. Und das tut sehr gut. Nicht schimpfen sowieso aber auch diesen Moment der Gedankenleere zu fühlen. Wenn ich danach in meine Übungen gehe, dann bleibt der Kopf oft leer. Und ich fühle nur. Die Bewegung, den Atem, wie es mir geht. Bin ich traurig? Bin ich fröhlich? Zuversichtlich? An guten Morgenden ist alles sehr klar und ich komme immer mehr in Kontakt mit meinem -hm- ich nenne es mal "inneren Kern". Und fühle plötzlich auch im Alltag, ob etwas oder jemand mir gut tut oder nicht.
- Yoga befreit! Ja wovor sollte Yoga jetzt befreien? Von Schuhen vielleicht aber wovon sonst? Ich meine diese kleinen, eigenen Limitierungen, die ich mir selber zurecht gelegt habe. Yoga macht mich freier so zu sein, wie ich mich fühle. Denn diese Lektion habe ich gelernt: Wenn ich mich beim üben verstelle/ mir selber was vormache, dann kommt auch hier die Quittung sofort. Einmal wollte ich unbedingt denken, dass ich fit und energiegeladen bin (positives Denken wird doch überall so gepriesen...) - und bin prompt mit einem dicken Platsch aus dem Kopfstand auf den Rücken geknallt. Positives Denken hat eine klare Grenze kann ich nur sagen! Nun versuche ich zu fühlen was los ist und intuitiv zu handeln. Das macht mich zwangsläufig gleichzeitig frei von den Ansprüchen, die ich manchmal an mich habe. Beim Yoga muss ich mich nehmen, wie ich bin. Alles andere bringt nichts. Und diese Haltung überträgt sich irgendwie schleichend in den Alltag. Das ist toll. Wenn ich es zwischendurch bemerke, dann freue ich mich diebisch. Ich hab zwar noch ordentlich Weg vor mir, aber es ist ein guter Anfang!
Ach, drei reichen irgendwie doch nicht....
- Yoga ist magisch - auf verschiedenen Ebenen. Einmal auf der körperlichen Ebene: Mein Körper kann Sachen, die sind ganz unglaublich. Vor allem für mein früheres Ich. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal kann. Dass ich zum Beispiel mal gerne lange still sitze und dass mir dabei nicht die Beine einschlafen! Geradezu magisch finde ich auch, wie stark ich werde. Was da plötzlich alles geht! Tiefe, magische Momente habe ich in manchen Meditationen. In manchen auch nicht, da ist dann Ruhe. Was auch toll ist, aber neulich wurde in meiner Meditation alles ganz hell, als würde in meinem Körper die Sonne strahlen und auf mich zu kam eine Frau, die sah wunderschön aus -hach, es war irre. Hört sich schön durchgeknallt an, oder? Aber es war toll (ich schwör!). Ich habe Freude gefühlt, Vertrauen, Liebe (ich seufze kurz). Und die Magie hüpft auch manchmal in den Alltag. Vor kurzem bin ich eine Straße entlang gegangen (die ich schon bestimmt 100 mal entlang spaziert bin) und habe mich auf meinen Atem konzentriert und auf meine Lunge - und plötzlich war da vor meinem inneren Auge ein Tempel und irgendwie war er auch in mir drin und es war wunderschön. Nee, nee - auch das hört sich jetzt (wo ich das Geschriebene mal selber lese) verrückt an. Ihr müsst es halt einfach selber mal probieren.
Ihr seht auf jeden Fall: Man erlebt wilde Sachen wenn man versucht Yoga regelmäßig, ernsthaft, mit Hingabe und Demut Yoga zu üben. Mich macht es glücklich. Und entspannt. Ich bin dankbar, dass ich es gefunden habe. So sehr, dass ich tatsächlich eine Yogalehrerausbildung machen werde. Im Herbst geht es los und ich freue mich darauf -und werde sicher berichten. In diesem Sinne sage ich heute:
Namaste!
Labels: Entspannt Yoga