Gute Argumentation braucht gute Fragen!

Mir ist da noch etwas siedend heiß eingefallen - und zwar zum letzten Post.  Da ging es um das entspannte Argumentieren. Der Hauptpunkt war zu überlegen was an meiner Idee/ Vorschlag etc. gut für meinen Gesprächspartner sein könnte. Also weg von der eigenen Welt und den eigenen Argumenten. Nun gibt es aber solche und solche Argumente, wenn wir versuchen das Gute für unser Gegenüber zu finden. Denn wenn uns dann etwas einfällt, dann können wir unterscheiden zwischen relevanten Argumenten (für unser Gegenüber) und weniger relevanten. Denn nicht immer treffen wir ins Schwarze mit unserer Vorstellung davon, was für den anderen denn nun schön/ toll/ gut wäre. Und aus meiner Sicht hilft nur eins: Fragen stellen.

Neugier

Neugierig sein, das ist für mich ein essentieller Teil guter Kommunikation. Nur so nehmen wir den anderen wahr, drücken Wertschätzung aus und bereichern letztlich auch unser Leben, denn mit etwas gesunder Neugier erfahren wir manchmal überraschende Dinge von unseren Mitmenschen. Und Fragen sind ein gutes Zeichen für neugierige Menschen. Leider erlebe ich aber immer wieder, dass oft erschreckend wenige und wenn dann auch etwas (wie sage ich es charmant?) voraussehbare (langweilige wäre wohl zu hart, oder?) Fragen gestellt werden. Von mir übrigens auch. Und das ist ärgerlich und wirft die Frage auf: Woran liegt das eigentlich?

Wir sind etwas beschränkt...

Und das meine ich nicht böse! Zunächst gehen wir alle von unserer eigenen Welt aus und genau das schränkt unseren Blickwinkel ein. Wenn wir dann Fragen stellen, dann neigen wir dazu unbewusst unsere Welt bestätigt zu wollen. Konfirmatorische Fragestellungen nennt sich das in der Psychologie. Und was dabei raus kommt hört sich dann beispielsweise so an: "Hast du dich sehr geärgert, dass dein Kollege befördert wurde?" (impliziert in diesem Fall, dass irgendein Ärger da ist). Und macht die Überraschungen nicht leichter, denn wenn ich mich nun gefreut habe, dass Kollege XY den Job geangelt hat, dann wird es, nach dieser Frage, schon schwerer für mich das auch zu sagen. Geht natürlich, aber es ist etwas anderes. Schöner wäre eine offene Frage wie "Und wie ist es jetzt für dich, wo XY befördert wurde?".

Und das können wir nutzen....

Wenn man das nun weiß und auch weiß, dass wir diese gerichteten Fragen meist unbewusst nutzen, gibt es zwei logische Auswege für bessere Fragen. Einmal können wir wachsamer sein, was unsere Gespräche angeht. Uns im nach hinein reflektieren und uns fragen: Was haben wir Neues von unserem Gesprächspartner erfahren? Haben wir seine Welt neugierig erkundet oder lieber aus unserer eigenen berichtet? Wenn ja, warum war das heute so? - So ein innerer Dialog kann helfen nach und nach interessantere Fragen zu stellen und dank der Antworten auch besser argumentieren zu können. Und viel Neues zu erfahren - nicht zu vergessen!

Wir können aber auch die Art der Frage nutzen. Denn wir wollen ja, dass unser Gegenüber etwas Positives findet an unserer Idee/ unserem Vorschlag  - und da gilt es als erstes an unserer Haltung zu arbeiten. "Alles was ich will, ist auch gut für die anderen" wäre da zum Beispiel ein positiver Glaubenssatz, der Fragen in eine positive Richtung lenkt (und uns auch gleich etwas glücklicher macht, da er uns mit den eigenen Bedingungen und Forderungen versöhnt).

Gute Fragen stellen

Gute Fragen erkunden die positive Welt des anderen. Sie sind damit oft auch konfirmatorische Fragestellungen, allerdings implizieren sie positive Hintergründe. Zum Beispiel "Was inspiriert dich?"  , "Was gibt dir Stärke?", "Was macht dich so richtig glücklich?". Das sind Fragen, die sich mit der Erkundung der positiven Seite der Welt unseres Gegenübers beschäftigen. Die nahe legen, dass Inspiration, Stärke und Glück vorliegen. Und somit lenken sie die Gedanken unseres Gesprächspartners in angenehme Richtungen und stärken ein wenig das Selbstbewusstsein, die Ressourcen unseres Gegenübers.  Und wenn wir sie nutzen wollen, um besser zu argumentieren, dann geht das auch. Denn wir erfahren, was für unseren Gesprächspartner wichtig ist, was von Bedeutung ist und wer gut zuhört, der kann dann überlegen: Wie passt das zu dem, was ich mir wünsche? Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Wenn ja welchen?

Hier ein Beispiel aus der Partnerschaft

Nehmen wir den beliebten Fall: Frau wünscht sich einen romantischen Abend mit einem Kitschfilm im Kino. Und der Partner schaut gerne...na sagen wir heute mal : Western. Wenn nun die Ehefrau, mit der Sehnsucht nach Romantik, einfach nur fordert mit "Heute will ich mal in einen Liebesfilm gehen! Immer müssen wir deine Western schauen! Heute bin ich dran."- dann kann das auch klappen, aber die Stimmung muss nicht rosig werden (kann, aber muss nicht). Schöner wäre es vielleicht mal als erstes zu ergründen: Was erhoffe ich mir von dem Abend für mich? Das kann zum Beispiel sein, dass es als Liebesbeweis gewertet wird, wenn der Gatte mal mit in einen, für ihn eigentlich uninteressanten, Film hüpft. Vielleicht ist die Dame auch schon in ein paar Western gegangen und glaubt an ausgleichende Gerechtigkeit? Oder - eine andere Erklärung für den Wunsch - der Tag war wirklich mürbe-machend und nun gilt es die eigene gute Laune wieder herzustellen und die Dame weiß, es geht am besten mit einem vernünftigen Quentchen Kitsch...oder oder oder. Also: erster Schritt: Die eigenen Motive ergründen. Und dann: Die Welt des anderen Kennenlernen. "Welche Abende findest du bei uns am romantischsten? schönsten?" oder "An welchen gemeinsamen Abenden bekommst du so richtig gute Laune?" und dann zuhören - was sagt da der andere über die gemeinsame Zeit? Und dann argumentieren: Entweder die Argumente nutzen: " ich mag es auch sehr, wenn wir so innig sind und gute Gespräche führen. Heute brauche ich aber vorher noch ein wenig Ablenkung, meine Woche war so schräg. Was hältst du davon wenn wir.... ansehen und danach bei einem Glas Wein in Ruhe quatschen?  oder, wenn die Welten weit auseinander liegen, kann man sich auch abgrenzen und das eigene Wohlbefinden nach vorne stellen. "Wie spannend, dass dir .... so gut gefällt. Ich habe heute auch überlegt, wann bekomme ich so richtig gute Laune wenn wir zu zweit sind. Und das könnte ich nach meinem Tag heute so richtig gebrauchen. Bei mir ist es... . Würdest du das heute mit mir machen?" Meine Erfahrung ist, das Gespräch läuft angenehmer, es ist ehrlicher und man kommt eher zu einem Konsens. Es sind keine Vorwürfe im Raum. Es ist freier - und macht damit? Genau: Glücklicher!

Das Schöne ist außerdem: das gute Fragen lässt sich auf alle Bereiche übertragen. Den Chef mal fragen "Was gefällt Ihnen an meiner Arbeit besonders?" oder den Kollegen "Was magst du an unserem Team am meisten?" oder die Kinder "Was mögt ihr an unserer Familie/ an eurem Zimmer / an euren Freunden am liebsten?" oder einfach nur "Was macht dich glücklich?" - schöne Fragen für schöne Gespräche und auch eine gute Grundlage für gute Argumentationen. Also, los und raus Fragen stellen! Ich bin auf jeden Fall motiviert noch ein wenig mehr darauf zu achten.


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